Die Feiertage nahen: Vom 1.10 bis zum 9.10 haben wir wegen dem Nationalfeiertag frei. Dann bricht die große Reisewelle los, weil alle verreitsen wollen. Ich werde vorausslichtlich am 1.10. auch nach Shenyang fahren, um die Miao Miao abzuholen, weil sie Mitte nächsten Monat schon wieder nach Deutschland zurück fliegt. Das Ticket kaufe ich morgen abend, denn hier kann man erst 4 Tage vorher ein Ticket kaufen. Bevor es dann mit der Reise los geht, muss ich dann auch noch meinen Reisepass wieder abholen, mit hoffentlich der Aufenthaltsgenehmigung.

Am Wochenende waren wir Einkaufen in Xidan, das ist eine Haltestelle bei einer Einkaufsstraße in der Nähe des Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen). Und es war so viel los, dass man sich kaum frei bewegen konnte. Noch einmal tue ich mir das an einem Wochenende nicht an, sonst gehe ich an einem Werktag. Wobei man das hier eigentlich nicht Feiertag und Werktag nennen kann, weil jeden Sonntag die Läden offen haben und man alles kaufen kann was man so braucht. Aber schaut selber.

Hier sieht man das ganz normale Chaos auf den Straßen...

Neue Bilder von Happy China: Auf der Seite von Happy China gibt es neue Bilder vom Samstag, als ich bei Besuch im Büro von Happy China war. Dort hatte ich unter anderem die Möglichkeit die Sendungen für nächste Woche schon einmal zu sehen :-)

Happy China - Teil 2

Am Samstag fahr ich also über die Ferien nach Shenyang. Und als erstes werde ich zum ersten Mal in meinem Leben an einer chinesischen Hochzeit teilnehmen. Ich bin sehr gespannt. Es soll sehr viel zu Essen und auch zu Trinken geben. Aber ich lasse mich mal überraschen. Ich fahre mit dem A16 um 23.50Uhr vom Peking Bahnhof bis nach Shenyang, wo mich die Eltern von der Miao abholen werden. Von dort aus gehen wir dann direkt zur Hochzeit. Nach ein paar Tagen werde ich dann mit der Miao wieder zurück nach Peking fahren, von dort sie dann am 12. Oktober zurück nach Deutschland fliegen wird. Es kann sein, dass ich über diese Zeit keine Bilder oder Infos ins Tagebuch schreiben kann. Danach werde ich dann aber alles nachholen. Bis dann, viele Grüße!

Hier zur Abwechslung noch ein paar Bilder von mir :-)

30.9.2005: Morgen gehts ab nach Shenyang, da sind noch einige Reisevorbereitungen zu treffen. Aber hier am Campus bekommt man ja eigentlich alles was man für das tägliche Leben und darüber hinaus braucht. Bisher kenne ich auf dem Schulgelände 2 Läden, in denen man von Lebensmitteln bis Kleiderbügel alles bekommen kann, da habe ich mich vorher erst mal für die Reise morgen eingedeckt. Dazu habe ich noch eine Zahncreme gekauft. An sich nichts besonderes, doch die ist von Colgate. Kam mir irgendwie bekannt vor.

Mein Zimmernachbar hat sich gerade gewundert, dass meine Kleidung so weiß sei. Aber ich benütze auch kein besonderes Waschmittel und ich wasche meine Kleidung auch immer nur in der Waschmaschine. Zhen qiguai, ganz komisch!! Das nur so nebenbei. Ich habe mir überlegt eine Seite mit Phenomenen zu machen, die mir hier begegnen. Zum Beispiel kann man hier von Montag bis Sonntag einkaufen. Wenn ich mal nichts mehr im Zimmer habe, dann gehe ich nur kurz ein paar Meter Richtung Osttor und da ist schon ein Laden, der alles verkauft, was ich brauchen könnte. Oder in der Mensa hier gibt es Musik, dann man kann den Köchen beim Kochen zu schauen so lange man auf das Essen wartet. Das Essen muss man auf einer Karte (die nur auf Chinesisch geschrieben ist) ankreuzen und winkt damit wie bei einer Klassenarbeit, wenn man fertig ist. Dann kommt ein Fuwuyuan (auch Ober genannt) und nimmt einem schon das Geld ab. Das Essen ist dann in 5 min. da und wird einem sogar an den Tisch gebracht. Wie im Restaurant. Ok, dann gibt es auch noch eine normale Mensa, da muss man sich das Essen selber holen. Es ist dort auch ein bißchen billiger. Doch ich bin ganz zufrieden, wenn ich 1 EUR für ein Mittagessen ausgeben muss und ich dann danach auch noch satt bin.

Als ich gestern bei Happy China war, habe ich denen dort mein Tagebuch gezeigt. Leider konnten sie nichts lesen, weil alles auf Deutsch war. Deshalb und noch aus anderen Gründen überlege ich mir einzelne Teile des Tagebuchs auf Chinesisch zu machen. Das würde auch einen Beitrag zur Verbesserung meines Ausdrucks leisten. Also, nicht wundern, wenn man ganz komische Zeichen oder sogar viereckige Kästchen auf dem Bildschirm auftauchen. Einfach ignorieren, das heißt nicht, dass der Computer spinnt :-) Also, ich probier das gleich mal aus. Aber ich werde dafür eine neue Seite verwenden, denn die beiden Schriftsysteme vertragen sich nicht einwandfrei.

Tiananmen und Nationalfeiertag: Am 1.10. sind Andreas, Michaela, Sebastian und ich mit dem Bus ins Stadtzentrum zum Tiananmen Platz gefahren. Obwohl unsere Uni schon ziemlich zentral liegt (wenn man ganz Peking betrachtet), hat es eine ganze Stunde gekostet in die Stadt zu kommen. Auf dem Weg dort hin hat sich Bus an Bus gereiht, ich glaube so viele Busse wie an diesen Tagen fahren an normalen Tagen nicht. Und da in diesen 7 Tagen die meisten Chinesen Feiertag haben, sind natuerlich alle auf den Beinen und wollen entweder verreisen oder einkaufen gehen. Deshalb musste ich mich ein paar Tage vorher auch 2 Stunden anstellen, um ein Zugticket nach Shenyang zu bekommen. In der Stadt angekommen sind wir an der Haltestelle Qianmen ausgestiegen und zu Fuss zum Platz des Himmlischen Friedens (Tian¡¯anmen) gelaufen. Menschen, ueberall Menschen. Man konnte sich kaum frei bewegen und bald stoesst man mit anderen Leuten fast zusammen. Bis wir endlich vor dem Eingangstor des Kaiserpalastes, bzw. Der Verbotenen Stadt standen hat es bestimmt noch einmal eine halbe Stunde gedauert. Aber wir sind natuerlich nicht hineingegangen, sondern haben uns erst ein mal ein Restaurant zum Essen gesucht. Das haben wir dann in der Naehe der Haltestelle Wangfuqing gefunden. Denn Andreas hat sich ein Zugticket nach Huhehaote gekauft. Ich weiss nicht mehr genau, wie der Name uebersetzt wird, ich glaube Huhot oder so, ist auf jeden Fall in der Mongolei. Von dort aus konnte er gleich mit der U-Bahn zum West-Bahnhof weiterfahren, denn sein Zug ging kurz nach 16 Uhr. Von der Haltestelle am Tian¡¯anmen konnte man nicht mit der U-Bahn fahren, denn diese war an diesem Tag wegen der Menschenmassen geschlossen. Er ist dann dort hin alleine gegangen und wir wollten uns noch ein bisschen im Buchladen umschauen. Denn fuer einen Unterricht an der Uni wollten wir uns noch ein Buch kaufen, das wir dann auch bekommen haben. Sebastian hat auch endlich seine lang ersehnten Karteikarten bekommen, die er schon seit Wochen in Peking gesucht, aber nicht gefunden hat. Bis zu diesem Tage schien es, dass er keine finden wuerde. Er hat sich dann gefreut wie ein Schneekoenig, dass er sie endlich bekommen hat. Ja, und nach so einem anstrengenden Tag sind wir dann auch gleich mit der U-Bahn Richtung Uni gefahren und von einer nahegelegenen Haltestelle in den Bus gewechselt. Endlich angekommen haben wir auch schon wieder Hunger bekommen und haben uns aber dieses Mal in einen McDonalds gesetzt. Danach ging es aber dann direkt ins Wohnheim zurueck. Im Wohnheim musste ich mich dann auch gleich auf die Weiterfahrt vorbereiten, denn am Abend um 23.50Uhr ging mein Zug nach Shenyang. Das hiess, dass ich mich gleich noch einmal auf den gleichen Weg in die Stadt machen musste, nur dieses Mal mit meinem ganzen Gepaeck. Ich habe mich aber dann fuer den Bus 808 engschieden, der direkt zum Bahnhof faehrt. Zeitfrage: 1 Stunde bis dort hin. Aber ich hatte genug Zeit einkalkuliert und bin ueberpuenktlich am Bahnhof eingetroffen und hab mich in die Wartehalle gesetzt. Als ploetzlich alle aufgestanden sind bin ich allen hinter her und hab mich auch in die Schlage eingereiht. Und als ob es alle gewusst hatten, hat die Anzeigetafel auch gleich auf: Zhengzai jian piao umgeschlagen und die wir wurden auf den Bahnsteig gelassen. Da stand dann auch schon der Zug nach Qiqihaer, das ist ganz im Norden von China. Aber meine Fahrt ging ja nur bis Shenyang und da hab ich zur Sicherheit noch einmal gefragt, ob das auch der Richtige Zug sei und bin eingestiegen. Es war wieder ein Liegewagen und ich konnte fast die ganze Nacht durchschlafen. Dummerweise aber lang so ein Typ gegenueber von mir, der die ganze Nacht lautstark geschnarcht hat. Es war kaum auszuhalten, doch irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen.

02.10.2005 Der Tag der Hochzeit: Gut ausgeschlafen, trotz des Schnarchers bin ich um kurz vor 9 Uhr aufgewacht. Das Wetter draussen war wunderschoen und ich hab erst einmal ein bisschen gefruehstueckt. Dann fuhr der Zug auch schon bald am Bahnhof in Shenyang ein. Die Miao und ihr Vater haben mich dann auch schon abgeholt. Mit dem Taxi sind wir dann direkt zum Restaurant gefahren, in der die Hochzeit stattgefunden hatte. Wir waren eine der Ersten und bald schon fuhr auch das Auto (Benz) mit dem Brautpaar vor.



Die Hochzeit war sehr schoen. Man sass mit mehreren Leuten an einem Tisch. Die anderen Leute an den anderen Tischen kennt man meist nicht. Dann beginnt die Zeremonie. In kurzen Worten: Die Musik beginnt, das Brautpaar wird hereingefuehrt, vorne auf einer kleinen Buehne werden sie dann verheiratet, ein paar nahe Verwandte sprechen ihre Glueckwuensche aus, das Brautpaar kuesst sich und schon geht das Fest los. Das Essen wird aufgefahren und das Trinken wird ausgeschenkt. Leider kann das Brautpaar nichts essen, weil es sehr beschaeftigt ist. Die Braut zieht sich an diesem Tag mehrmals um, immer ein schoeneres Kleid. Das Brautpaar geht dann an jeden Tisch und jeder Gast bekommt eine Zigarette angezuendet. Wer das nicht will bekommt ein kleines Geschenk, einen Anhaenger oder Aehnliches. Bis jetzt habe ich aber noch nicht genau verstanden, warum das so gemacht wird, oder welche genauere Bedeutung das hat. Zur Gegenleistung wird dem Brautpaar dann ein kleiner roter Umschlag ueberreicht, in dem Geld drin ist, der so genannte Hong Bao. Dem Brautpaar werden dann die Glueckwuensche ausgesprochen und schon sind sie wieder auf dem Weg zum naechsten Tisch. Bald schon kommt auch die Mutter der Braut und schenkt noch ein bisschen vom Schnaps aus der auf jedem Tisch steht. Die Mutter von der Miao hatte noch Sprite im Glas, weil sie eigentlich gar nichts vom Schnaps wollte. Doch dann bekam sie doch was eingeschenkt und sie meinte zu uns, das schmecke ganz eckelhaft. Der Vater der Miao raucht auch nicht und hat dann die Zigarette auch nicht geraucht. Das haben die meisten so gemacht. Ja, das wars eigentlich schon zur Hochzeit. Es geht auch nicht lange und die meisten Gaeste gehen auch schon wieder nach dem Essen. Nur die naechsten Verwandten werden gebeten noch da zu bleiben. Die Miao und ich sind aber dann nach Hause gefahren und haben uns ausgeruht. Ihre Eltern sind aber noch dort geblieben. Nach dem ihre Eltern um 17Uhr wieder zu Hause waren haben wir auch bald gegessen. Jedoch nur eine Kleinigkeit, denn wir waren ja noch voll von Mittags. So ging auch dieser Tag zu Ende und wir sind alle frueh schlafen gegangen.

03.10.2005 Montag: Heute ist schon wieder Montag und die Woche des Nationalfeiertags ist schon fast wieder vorbei. Die Schule hat uns vor den Ferien noch ausdruecklich mitgeteilt, dass die Ferien nur 7 Tage gingen und danach wieder Schule sei. Das heisst konkret, dass wir am Samstag und Sonntag in die Schule muessen! Ich bin aber mal gespannt, wer da alles kommt. Die Miao Miao und ich werden am 8.10. mit dem Zug zurueck nach Peking fahren, das waere dann der Samstag. Mal sehen, ob ich dann am Sonntag noch in die Schule gehen kann? Gestern habe ich den 2.Brief von Gao Liang bekommen. Er hat mir geschrieben, wie gluecklich er darueber ist, dass ich ihn unterstuetze, dass er weiter zur Schule gehen kann. Seine Eltern verdienen sich ihr Geld mit der Maisernte, die sie dann verkaufen. Zur Zeit ist gerade Erntezeit, doch wahrscheinlich kann ich in dieser kurzen Zeit nicht dort hingehen. Aber das Naechse Mal auf jeden Fall! Heute morgen habe ich dann auch endlich den Zeitungsartikel lesen koennen, in dem ueber mich berichtet wird. Wenn ich Zeit und Lust habe, dann werde ich ihn mal uebersetzen.

05.10.2005 Mittwoch und 6.10. Donnerstag: Was ich noch nicht geschrieben habe ist, dass wir am Mittwoch auf einem Ausflug aufs Land waren. Ehemalige Schulfreunde von der Miao haben uns eingeladen mit ihnen in den Norden von Shenyang zu fahren, um zu reiten. Ich dachte erst, das sei so etwas, was ich mal mit 10 Jahren gemacht hatte, als wir mal Reiten gegangen sind. Das waren damals aber viel kleinere Pferde und die haben eh dauernd angehalten um Gras zu fressen. Und danach haben sie nicht mehr aufgehoert. Doch am Mittwoch gings richtig rund. Wenn ich das gewusst haette, haette ich mich anders darauf vorbereitet. Es war also wie folgt: Wir sind mit einem Kleinbus in Richtung Norden losgefahren und sind nach mehreren Kilometern sogar durch den Ortsteil Xinchengzi gekommen, wo der Junge wohnt, den ich unterstuetze. Leider sind wir aber nicht dort hin gefahren. Ueberall gab es Maisfelder zu sehen und anscheinend verdient sich hier der Grossteil der Leute sein Geld durch die Maisernte. Ich habe mal in der Zeitung gelesen, dass ein Kilo um die 5 Yuan, also bei uns umgerechnet 50cent bringt. Bald konnten wir am Geruch schon erkennen, dass wir angekommen waren :-)



Dann gings auch schon bald los. Umziehen brauchten wir uns nicht viel. Es gab nur Schoner fuer die Beine und Handschuhe, die wir anziehen mussten. Und schon gings los, jeder hat sein Pferd bekommen und musste sehen, wie er rauf kam. Das Pferd war um einiges Hoeher als das, auf dem ich vor 15 Jahren gesessen bin. Ein bisschen mulmig war mir es dann schon, als es ploetzlich los gelaufen ist. So ein Pferd hat ja auch keine Bremse oder so. Ein Mann hat uns zwar erklaert, wie man das Pferd "bedienen" muss, aber irgendwie wollte es nicht so auf mich hoeren. Da ich als Erster das Pferd bekommen habe wollte meins immer gleich los laufen. Ich hab dann versucht es wieder zurueck zu lenken, doch dann lief es immer weiter. Dann sind aber auch schon bald die anderen gekommen und es ging los. Am Anfang ging es noch sehr langsam, sozusagen ueber Stock und Stein. Wie man vielleicht auf den Bildern erkennen kann war es dort sehr huegelich. Deshalb lief das Pferd auch nicht so schnell. Doch das sollte nicht so bleiben, denn bald ging es mal laengers gerade aus und die Pferde sind in den Galopp ueber gegangen. Aber man konnte schon ein bisschen mit den Fuessen und Haenden steuern, je nachdem man die Zuegel oder die Fuesse ausgerichtet hatte. 20min ging es dann Berg auf und ab. Alle sind im Sattel auf und ab gehuepft. Und am Ende der zwangzig Minuten hab ich immer gehofft, dass es bald aufhoeren moege. Denn mit der Zeit tut einem das Hinterteil und die Fuesse vom lauter Abstuetzen weg. Als ich vom Pferd wieder abgestiegen bin tat mir alles weh und ich kam mir vor, als ob ich aus einer Achterbahn ausgestiegen bin. Ja und heute am zweiten Tag kann ich mich kaum bewegen.
Spaeter sind wir dann alle zusammen Essen gegangen, danach gings dann auch bald wieder zurueck nach Hause.









Dann war auch dieser Tag zu Ende und wir sind muede und erschoepft ins Bett gefallen. Wie ihr euch ja denken koennt tut uns heute alles weh. Aber morgen wird der Muskelkater schon wieder abgeklungen sein.
Unsere Rueckfahrt nach Peking wird am 8.10. um ca. 10Uhr sein. Leider wird es kein Schlafwagenticket sein, aber ich bin schon einmal auf normalem Sitzplatz so lange gefahren und es ist nicht so schlimm. Nur die Zeit vergeht sehr langsam. Aber abends um ca. 19Uhr werden wir in Peking ankommen und ein paar Freunde von mir haben uns schon versprochen, dass sie zum Bahnhof uns abholen kommen. So, dann geh ich mich mal wieder ausruhen.